Tragende Wände sind vertikale Bauteile, die neben der Raumtrennung auch Decken-, Dach- und Eigenlasten aufnehmen und in den Baugrund ableiten. Dürfen nicht ohne statischen Nachweis entfernt werden. Unsachgemäße Eingriffe gefährden die Standsicherheit des gesamten Gebäudes.
Erkennung
Merkmale: durchgehender Verlauf von Keller bis Dach, Wandstärke über 17,5 cm bei Mauerwerk, Außenwände und Mittelwände meist tragend, Decken liegen auf der Wand auf. Klopftest: voller dumpfer Klang. Bei Unsicherheit: Statiker oder Architekt beauftragen, nie spekulieren!
Materialien
Ziegelmauerwerk: gute Druckfestigkeit und Wärmedämmung. Kalksandstein: sehr hohe Tragfähigkeit, guter Schallschutz. Porenbeton: gute Wärmedämmung. Beton: höchste Tragfähigkeit. Typische Wandstärken: Außenwände 30-50 cm, tragende Innenwände 17,5-24 cm, nichttragende Wände 10-15 cm.
Eingriffe
Jede Veränderung ist genehmigungspflichtig. Erforderlich: statischer Nachweis, Baugenehmigung, bei ETW Beschluss der WEG. Wanddurchbruch: Sturz aus Stahl/Beton, Unterfangung, temporäre Abstützung. Kosten: Statiker 800-1.500 Euro, Durchbruch gesamt 3.000-6.000 Euro. Wandentfernung nur mit Ersatztragwerk möglich (ab 5.000 Euro).
Schäden und Sanierung
Kritische Schäden: Risse (Setzung, Überlastung), Schiefstellung, Feuchtigkeit. Maßnahmen: Rissinjektionen (100-300 Euro/m), Stahlklammern, Betonmantel bei Tragfähigkeitsverlust. Gewährleistung 5 Jahre. Dokumentation essentiell für spätere Ansprüche.
Beim Immobilienkauf
Prüfen: sichtbare Risse, Schiefstellung, unsachgemäße Durchbrüche, fehlende Baupläne, Umbauhistorie ohne Genehmigungen. Hinweise auf Probleme: klemmende Türen/Fenster, durchhängende Decken, unebene Böden. Professionelle Begutachtung: 500-1.500 Euro (Kurzgutachten).
Siehe auch: Tragwerk , Statik , Mauerwerk